Grenztour D – Entdeckungen am Grünen Band

1300 Kilometer auf dem Iron Curtain Trail

Fast 29 Jahre nach dem Mauerfall 1989 in Berlin ist die ehemalige innerdeutsche Grenze länger offen als sie in Zeiten des Kalten Krieges Deutschland teilte. Ich kenne die Zeit vor und nach der Grenzöffnung und wollte mit meiner Radreise entlang des sogenannten Grünen Bandes die Veränderungen beobachten.

Auf einer Strecke von rund 1.300 Kilometern bin ich direkt auf oder in unmittelbarer Nähe neben dem ehemaligen Todesstreifen geradelt. Der Streckenabschnitt gehört zur Europäischen Radfernroute 13 „Iron Curtain Trail“, die entlang des Eisernen Vorhangs insgesamt über knapp 8.000 Kilometer von Istanbul bis zur Barentssee verläuft.

Die deutsche Strecke bin ich in zwei Teilabschnitten gefahren. Während ich im Mai 2017 den südlichen Teil vom Dreiländereck Sachsen/Bayern/Böhmen bis nach Hörschel an der Werra absolvierte, setzte ich im Juni 2018 die Tour bis an die Ostsee zur Halbinsel Priwall bei Travemünde fort.

Unzählige Male passierte er dabei die Landesgrenzen der neun am Grünen Band liegenden Bundesländer Sachsen, Thüringen, Bayern, Hessen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Wichtig ist für mich jedoch auch das Aufrechterhalten der Erinnerungen an das politische Unrecht, durch das viele Opfer bei ihrem Drang nach Freiheit an der Grenze ums Leben kamen.

Gedenksteine und Museen mahnen vielerorts an den alten Grenzverlauf. Technische Anlagen, wie Mauern, Signalzäune, Grenztürme, Hundelaufanlagen und vieles mehr zeugen davon. Am stärksten beeindruckt war ich von den sogenannten geschleiften Dörfern, die im Rahmen von Grenzbegradigungsmaßnahmen dem Erdboden gleich gemacht wurden. Die Einwohner wurden einfach kurzerhand ins Hinterland deportiert. Aktion „Ungeziefer“ wurde dies genannt. In Vacha/Rhön kann man beispielsweise einem 14 Kilometer langen Gedächtnisweg gehen, der an elf Stationen an die geschleiften Häuser und Höfe erinnert.

Nicht nur die großen Gedenkstätten, wie Mödlareuth, Point Alpha, Schifflersgrund, Hötensleben oder Helmstedt/Marienborn sind beeindruckend, sondern auch die kleinen, meist durch viel ehrenamtliches Engagement gepflegten Mahnmale halten die Erinnerungen an den alten Grenzverlauf wach.

In Begegnungen mit Einheimischen erfuhr ich viel vom damaligen Leben und den Umgang mit den Passierscheinen in den 5-Kilometer- oder 500-Meter-Sperrzonen.

Streckenverlauf:

1. Etappe: Dreiländereck - Hirschberg
2. Etappe: Hirschberg – Rödental
3. Etappe: Rödental - Irmelshausen
4. Etappe: Irmelshausen - Heringen
5. Etappe: Heringen - Hörschel
6. Etappe: Hörschel – Jestädt
7. Etappe: Jestädt – Zorge
8. Etappe: Zorge - Schöningen
9. Etappe: Schöningen - Salzwedel
10. Etappe: Salzwedel – Neu Darchau
11. Etappe: Neu Darchau - Ratzeburg
12. Etappe: Ratzeburg - Travemünde

Ein eBook zu den Reiseerlebnissen erscheint voraussichtlich im IV. Quartal 2018.

Weitere Informationen:
Vortrag Grünes Band
Bildergalerie

Pressebericht:
Thüringer Allgemeine vom 10. August 2018